Etappe 5 – Jeantex BIKE Transalp 2008


Königsetappe I – Zwischen Himmel und Hölle

Heute geht es in der mit 122 km längsten Etappe von
Livigno nach Naturns. 2900 hm bergauf und 4230 hm bergab. Wir starten bei
strahlendem Sonnenschein, aber kühlen 14 Grad. Weniger Meter nach dem Start
können wir schon wieder absteigen, da es auf einem schmalen Teerweg steil
bergauf führt. Ein schönes Bild: So weit man schauen kann, durchtrainierte
Biker, die ihr Rad den Berg hochschieben. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch
nicht wussten: Es sollte generell der Tag des Schiebens werden.

Irgendwann erreichen wir den Passo d’Eira, ab hier führt ein
sehr schöner Singletrail am Berg entlang. Da wir noch relativ am Beginn des
Rennens sind, ist an freies Fahren nicht zu denken, trotzdem macht der Trail
Spaß. Dann geht es wieder steiler hoch, teils mit Schiebepassagen zum Passo
Trela, alles über Schotter und wieder runter über wunderschöne, geschwungene Traumtrails
bis zur ersten Verpflegung am Lago di Fraele. Wir sind wieder so hoch wie beim
Start, auf 1900 m. Es ist bitterkalt, die Helfer an der Verpflegung stehen hier
in Wintermänteln und Handschuhen, wir haben unsere Jacken angezogen.

Ihr habt doch sicher alle Herr der Ringe gesehen oder
gelesen?

Was jetzt kommt, erinnert mich irgendwie an Modor. Der
Aufstieg zum Dach der Tour, der Bocchetta di Forcola auf 2768 m Höhe ist
steinig, steil, gefährlich. Wechselweise schieben und fahren wir. In den
steilen Serpentinen rutscht ein Mädel aus und hat Glück, als sie mitsamt Bike
Kopfüber nur 2m im Schotter nach unten rutscht. Ein anderer Biker hält jemanden
fest, der droht abzustürzen und verliert dabei sein Rad, welches in eine tiefe
Felsspalte stürzt. Völlig fertig und unter Schock wird der Fahrer vom
Besenmotorrad nach unten gefahren. Apropo Motorräder: wir werden die ganze Tour
von Crossmotorrädern begleitet, entweder sind es Ärzte oder Medienleute mit
Kameras. Irgendein Verrückter versucht mit seiner Crossmaschine hier hoch zu
fahren und löst dabei Steinschlag aus. Nach Beschwerden der Biker schaltet er
seine Maschine aus und bleibt stehen. Was aus ihm geworden ist, konnten wir
nicht weiter verfolgen.

Am Gipfel haben wir insgesamt 40 km geschafft – in 4
Stunden! Wenn das so weiter geht, kommen wir erst im Dunkeln an. Hier oben ist
es sonnig und wir haben eine gigantische Aussicht, aber es weht ein eiskalter
Wind, wir haben ungefähr 4 Grad.

Als Belohnung folgt jetzt der schönste Singletrail, den ich
bisher in den Alpen gefahren bin. Viele km lang und fast alles fahrbar, ein
absoluter Traumtrail. Der Trail endet am Umbrailpass, hier ist es immer noch
eiskalt. Es folgt eine lange Abfahrt über Teer nach Santa Maria, wir vernichten
hier 1000 hm. Und endlich, endlich wird es weiter unten wärmer, eine absolute
Wohltat. Nach der zweiten Verpflegungsstation bei km 70 folgen noch ein paar
kleinere Anstiege auf den letzten 52 km. Im Ziel sind wir nach ca. 7h 30min,
total fertig und ausgelaugt. Heute haben wir 10 Plätze in unserer Altersklasse
verloren.

Positiv: Bisher kein Sturz, keine Panne und wir liegen
immer noch besser, als erwartet.

Die längste Etappe ist geschafft  Stanciu macht uns fertig

Source: MTBS-Archiv

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